Wenn es sich nur noch hart anfühlt
- Jana Knöpfli
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Vielleicht ist das, was gerade nicht klappt, nicht dein Versagen — sondern ein Hinweis dafür, dass etwas anderes zuerst gesehen werden möchte.

Wenn sich etwas richtig hart anfühlt, ist es vielleicht nicht der richtige nächste Schritt. Oder zumindest nicht in der Form, in der dein Verstand ihn gerade durchsetzen will.
Vielleicht kennst du das auch:
Du willst endlich anfangen, täglich joggen zu gehen.
Du willst diesen Online-Kurs abschliessen, für den du viel Geld bezahlt hast.
Du willst ordentlicher werden, strukturierter, konsequenter.
Und trotzdem schaffst du es einfach nicht.
Vielleicht kennst du aber auch das:
Du kämpfst monatelang mit dir, verurteilst dich dafür, dass es nicht klappt, und dann kommt irgendwann ein Moment, in dem es plötzlich viel leichter geht. Fast wie von selbst.
Ich glaube, das liegt daran, dass nicht alles durch Druck in unser Leben kommt. Manches findet dann zu uns, wenn innerlich etwas bereit geworden ist. Wenn etwas in uns genährt, beruhigt, gesehen oder gehalten wurde.
Das bedeutet nicht, dass Joggen grundsätzlich falsch für dich ist. Aber vielleicht braucht dein Körper zuerst etwas anderes, bevor er sich sicher genug fühlt für diese Bewegung.
Vielleicht braucht er erst Ruhe.
Stille.
Ein paar Minuten, in denen du gerade nichts leisten musst.
Und vielleicht kannst du danach viel leichter losgehen.
Es kann aber auch sein, dass du denkst, Joggen würde dir guttun, während dein Körper und deine Seele sich im Moment eigentlich nach etwas Sanfterem sehnen.
Nach Spazieren.
Nach Dehnen.
Nach Tanzen in der Wohnung.
Nach einer Form von Bewegung, die sich nicht wie ein Kampf anfühlt.
Ich glaube, wir verurteilen uns oft für Dinge, die nicht so funktionieren, wie unser Verstand sie sich vorgestellt hat. Oder wie unser Umfeld und die Gesellschaft uns zeigen, wie es sein sollte.
Dabei liegt so viel Weisheit darin, wieder mehr in uns hineinzuspüren:
Was ist gerade wirklich richtig für mich?
Was brauche ich jetzt, in diesem Moment?
Was würde mir tatsächlich dienen?
Ja, Bewegung ist wichtig. Aber welche Bewegung wünscht sich dein Körper gerade?
Ja, Struktur kann hilfreich sein. Aber welche Form von Struktur fühlt sich für dich lebendig an und nicht nur eng?
Ja, ein Bedürfnis will ernst genommen werden. Aber wonach sehnst du dich eigentlich wirklich?
Ist es wirklich dieses Stück Schokolade?
Oder steckt darunter vielleicht Müdigkeit, Trost, Überforderung, Leere, ein Wunsch nach Genuss oder einfach das Bedürfnis, für einen Moment weich mit dir zu sein?
Und selbst wenn du die Schokolade isst, muss das nicht falsch sein. Vielleicht liegt der Unterschied darin, ob du sie im inneren Kampf isst oder im bewussten Kontakt mit dir. Ob du dich dabei verurteilst oder ob du ehrlich spürst: Das ist gerade nicht die ganze Antwort auf mein Bedürfnis, aber ich muss es auch nicht bekämpfen oder verdrängen.
Ich glaube, dass mehr Frieden entsteht, wenn wir uns erlauben, ehrlicher mit uns zu sein. Wenn wir aufhören, uns ständig in Formen pressen zu wollen, die gerade nicht zu unserem inneren Zustand passen.
Wenn wir lernen, nicht nur zu fragen: Was sollte ich tun?
Sondern auch: Was ist gerade wirklich stimmig?
Denn nicht alles, was schwer ist, ist falsch. Aber anhaltende Härte will oft nicht mit noch mehr Härte beantwortet werden. Sondern mit einem tieferen Hinhören.
Ich wünsche mir für dich, dass du den Mut und die Zeit findest, auf dich zu hören.
Dass du die Erfahrung machen darfst, dass deine Stimme zählt. Dass deine Bedürfnisse zählen. Dass du die stille Freude erleben darfst, die entsteht, wenn du deine leise innere Stimme zum ersten Mal wirklich hörst und dir erlaubst, ihr zu folgen.
Alles Liebe,




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